By Published On: 13/02/2026

„Wir gehen nur kurz raus.“ – Eine urbane Selbsttäuschung

(Natur mit Kindern im Stadtalltag – zwischen Waschbärmoment und Stressregulation)

„Wir gehen nur kurz raus.“

Ich weiß nicht, wer diesen Satz erfunden hat. Vermutlich jemand mit Aufzug. Vielleicht jemand, der keine Kinder hat. Oder jemand mit einem unsichtbaren Helferteam im Hintergrund.

Denn „kurz raus“ bedeutet im Elternalltag in der Stadt:

– Mindestens ein Kind wettergerecht anziehen (nicht symbolisch-wettergerecht, sondern wirklich-wirklich)
– Eine Tasche packen (Snacks, Wasser, Ersatzkleidung, Pflaster, Feuchttücher, emotionale Stabilität)
– Schuhe diskutieren
– Das richtige Kuscheltier finden
– Und selbst noch irgendetwas überwerfen, das als Jacke durchgeht

Rausgehen mit Kindern klingt nach frischer Luft und draußen spielen. In Wahrheit ist es oft ein logistischer Hindernisparcours.

Ich bin gern draußen. Ich weiß sogar ziemlich genau, warum.
Irgendwann habe ich – meinen Kindern zuliebe – eine Ausbildung zur Natur- und Umweltpädagogin gemacht. Nicht, weil ich beruflich singende Vorschüler durch den Wald führen wollte. Sondern weil ich verstehen wollte, was Natur mit Kindern macht. Mit ihrem Nervensystem und mit ihrer Stressregulation. Mit ihrer emotionalen Stabilität.

Ich wollte es nicht nur fühlen. Ich wollte es begreifen.

Und trotzdem scheitere ich regelmäßig am Rausgehen.

Was es bräuchte:

– Einen Aufzug
– Kooperationsbereitschaft
– Die Energie eines Duracellhäschens
– Die Kraft eines Ackergauls
– Ein zweites Gehirn für Logistik
– Einen Packesel

Was es gibt:

– Altbautreppen
– Situative Anzieh-Verweigerung
– Einen Rucksack in Expeditionsgröße
– Und ein Kind, das weder selbst laufen noch sich tragen lassen will

Und dieses Kind kann sich plötzlich in alle Richtungen gleichzeitig bewegen. Nur nicht in meine.
Es windet sich, schlängelt sich, macht sich schwer oder ganz weich – wie ein nasser Waschbär, der absolut nicht vorhat, irgendwohin mitzukommen.

Der Zweisitzer-Kinderwagen wiegt ungefähr so viel wie ein Kleinwagen ohne Motor. Ihn in den Bus zu hieven fühlt sich an wie olympisches Gewichtheben im Elternmodus. Willkommen im urbanen Elternalltag.

Und dann sind wir draußen.

Die Kinder buddeln.
Ich atme.

Und ich weiß – nicht nur intuitiv, sondern fachlich fundiert – warum sich meine Schultern gerade zwei Zentimeter senken.

Natur reguliert.
Sie wirkt direkt auf unser Stresssystem.
Sie hilft Kindern, innere Spannung abzubauen.
Sie stärkt Selbstregulation und Resilienz – ohne dass wir etwas erklären müssen.

Genau deshalb ist Natur im Stadtalltag kein nettes Extra.
Sie ist eine Ressource.

Vielleicht ist „Wir gehen nur kurz raus“ also keine Selbsttäuschung.
Sondern eine kleine, ziemlich wirksame Intervention, und zwar mitten im ganz normalen Stadtchaos.

Warum ich darüber ein Buch schreibe

Weil ich gemerkt habe:
Viele Eltern wissen, dass Natur mit Kindern gut ist.
Aber sie wissen nicht, wie sie sie realistisch in ihren Alltag integrieren können.

In meinem Buch geht es genau darum:

  • Warum Stadtkinder heute besonders unter Druck stehen

  • Wie Natur auf Nervensystem und Stressregulation wirkt

  • Warum Rausgehen mit Kindern oft an Logistik, Müdigkeit oder inneren Hürden scheitert

  • Und wie Natur im Stadtalltag machbar wird – ohne Perfektion, ohne Selbstoptimierungsdruck

Für müde Eltern.
Für ambitionierte Eltern.
Für die mit Lastenrad. Und die ohne Aufzug.

Wenn du dich in diesem Chaos wiedererkennst und wissen willst, wie Natur alltagstauglich Teil eures Lebens werden kann, trag dich gern in meinen Newsletter ganz unten auf dieser Seite ein. Dann bekommst du „Blattpost“. Dort erzähle ich dir, wann das Buch erscheint, und teile bis dahin Gedanken, Impulse und kleine, machbare Ideen für mehr Draußen im Familienalltag.

Vielleicht beginnt es nicht mit einem perfekten Naturprojekt.
Sondern mit einem: „Wir gehen trotzdem.“

Auch mit nassem Waschbär.

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