Wohnwagen kaufen – technische Daten verstehen und wichtige Kaufkriterien kennen
Was du wissen solltest, bevor du dich entscheidest
You know it, when you know it.
Wir haben unsere Campingtauglichkeit auf Herz und Nieren geprüft und irgendwann war klar: Wir wollen einen eigenen Wohnwagen. Camping ist unsere Urlaubsart. Nicht für ein, zwei Sommer, sondern für die nächsten zehn Jahre.
Trotzdem standen wir am Anfang ziemlich ratlos da. Denn so sicher wir uns beim Ob waren, so groß waren die Fragezeichen beim Wie:
Was muss ich beim Wohnwagenkauf eigentlich beachten? In welche Themen muss ich mich einarbeiten? Technik, Gewicht, Alltag, Reisen, Stellplatz, Organisation?
Rückblickend hätten wir uns deutlich gezielter auf die Suche nach unserem Wohnwagen machen können, wenn wir all das von Anfang an gewusst hätten, was wir uns später mühsam zusammensuchen mussten.
Genau diese Recherche möchte ich dir ersparen. In diesem Beitrag findest du meine persönliche Liste mit allem Wissen rund um den Wohnwagenkauf, und zwar ehrlich, praxisnah und ohne romantische Verklärung.
Und falls du noch nicht ganz sicher bist, ob ein Wohnwagen wirklich zu dir passt, oder du dieses leise Gefühl hast, dass du noch nicht die ganze Wahrheit kennst: Dann findest du hier auch eine Entscheidungshilfe, die dir genau dabei hilft.
Inhalt:
Die richtige Entscheidung über die Größe des Wohnwagens treffen
Die Größe eines Wohnwagens wirkt sich nicht nur auf den Platz innen aus, sondern auf fast jeden Aspekt des Unterwegsseins. Je länger, breiter und höher der Wohnwagen ist, desto spürbarer werden die Auswirkungen auf Wendigkeit, Fahrverhalten und Geschwindigkeit. Kurze, kompakte Wohnwagen lassen sich ruhiger führen, reagieren weniger empfindlich auf Seitenwind und bleiben auch auf Landstraßen oder in Baustellen entspannter beherrschbar. Mit zunehmender Länge wächst der Wendekreis, das Rückwärtsfahren wird anspruchsvoller und jede enge Kurve verlangt mehr Aufmerksamkeit.
Auch das Vorankommen verändert sich: Größere und schwerere Wohnwagen beschleunigen langsamer, fordern an Steigungen deutlich mehr vom Zugfahrzeug und reduzieren das durchschnittliche Reisetempo. Das ist kein Drama, aber es verändert den Charakter der Reise spürbar. Wer viel durch hügelige Regionen, über Landstraßen oder durch Dörfer fährt, kommt mit einem kompakteren Caravan oft entspannter und gleichmäßiger ans Ziel.
Ein oft unterschätzter Punkt sind zudem Maut- und Gebührenmodelle im Ausland. In vielen Ländern (z. B. Frankreich, Italien, Spanien) spielen Höhe, Achszahl, Gesamtgewicht oder Fahrzeugklasse eine Rolle. Größere Gespanne rutschen schneller in teurere Kategorien – das betrifft nicht jeden Campingurlaub, summiert sich aber auf langen Strecken merklich.
Nicht zu unterschätzen ist auch das Wohlgefühl. Ein breiter, langer Wohnwagen kann innen großzügig wirken, außen aber permanent Stress erzeugen: schmale Straßen, knappe Begegnungen, enge Zufahrten zu Stell- und Campingplätzen. Dieses unterschwellige „Aufpassen-müssen“ kostet Energie – besonders bei längeren Fahrtagen.
Schließlich beeinflusst die Größe ganz konkret die Stellplatz- und Parkplatzverfügbarkeit. In Städten, auf kleinen Stellplätzen oder bei spontanen Stopps sind lange Wohnwagen oft unpraktisch oder schlicht nicht unterzubringen. Ein paar Zentimeter mehr können darüber entscheiden, ob man stehen darf – oder weitersuchen muss.
Kurz gesagt:
Die Größe des Wohnwagens bestimmt nicht nur, wie man wohnt, sondern auch, wie man reist. Wer das realistisch einschätzt, spart sich später viele unnötige Kompromisse – und fährt entspannter, weiter und lieber.
(Un-)gebremste Anhängelast und Stützlast: Darf mein Auto den Wohnwagen ziehen?
Ob dein Auto einen Wohnwagen ziehen darf, entscheidet sich nicht an einer einzigen Zahl. Es müssen alle drei Punkte gleichzeitig passen. Wenn nur einer davon nicht stimmt, ist das Gespann entweder illegal oder unsicher.
1. Anhängelast des Autos
Im Fahrzeugschein (ZB Teil I) deines Autos findest du unter 1: zulässige gebremste Anhängelast. Die zulässige Gesamtmasse (zGG) des Wohnwagens darf diesen Wert nicht überschreiten. Völlig egal, ob du „eh nur leicht fährst“.
Beispiel:
- Auto: gebremste Anhängelast = 1.400 kg
- Wohnwagen zGG = 1.500 kg
–>Nicht erlaubt – selbst leer gefahren
–> Lösung: Ablasten
2. Stützlast
Sowohl Auto als auch Wohnwagen geben eine maximale Stützlast vor. Hier gilt immer der niedrigere Wert.
Beispiel:
- Auto: max. 75 kg
- Wohnwagen: max. 100 kg
–> erlaubt sind 75 kg
Bei zu wenig Stützlast bekommst du ein instabiles, schlingerndes Gespann, ist dagegen die Stützlast zu hoch, kommt es zu technischer Überlastung und, wenn man Pech hat, Bußgeld. Und ganz wichtig: Die Stützlast zählt zur Zuladung des Autos.
3. Führerschein
Hier zählt immer das zulässige Gesamtgewicht, niemals das tatsächliche Gewicht.
- Klasse B: Auto + Wohnwagen max. 3.500 kg zGG
- B96: bis 4.250 kg
- BE: deutlich mehr
Schon 10 kg zu viel machen dein Gespann illegal.
Was bedeuten Leergewicht und Zuladung?
Der Begriff „Leergewicht“ ist ehrlich gesagt irreführend. Korrekt heißt es „Masse in fahrbereitem Zustand“ und das ist nicht leer.
Oft enthalten:
- Grundausstattung
- Gasflasche(n)
- teilweise Wasser
- manchmal Batterie
Nicht enthalten:
- Kleidung
- Geschirr
- Campingmöbel
- Fahrräder
- Lebensmittel
Die wichtigste Rechnung überhaupt: Zuladung = zulässige Gesamtmasse – Leergewicht
Beispiel:
- zGG: 1.300 kg
- Leergewicht: 1.180 kg
–> Zuladung = 120 kg
Und jetzt brutal ehrlich:
- 2 Gasflaschen voll ≈ 40 kg
- Markise ≈ 25 kg
- Tisch + Stühle ≈ 30 kg
- Kabel, Keile, Kleinkram ≈ 15 kg
–> Überladen.
Mein dringender Tipp: Wiegen! Einmal leer und einmal realistisch beladen. Beim TÜV, Wertstoffhof oder auf einer LKW-Waage.
Ein Rechenbeispiel: Passen Auto, Wohnwagen und Führerschein zusammen?
Ich nehme mal ein realistisches Beispiel, wie es tausendfach auf deutschen Straßen fährt.
Ausgangsdaten Auto
- Zulässige Gesamtmasse Auto (F.1): 2.000 kg
- Leergewicht Auto (G): 1.600 kg
–>Zuladung Auto: 400 kg - Zulässige gebremste Anhängelast (O.1): 1.400 kg
- Stützlast Auto: 75 kg
Ausgangsdaten Wohnwagen
- Zulässige Gesamtmasse Wohnwagen (zGG): 1.300 kg
- Leergewicht Wohnwagen: 1.180 kg
–>Zuladung Wohnwagen: 120 kg - Stützlast Wohnwagen: 100 kg
Prüfung 1: Darf das Auto den Wohnwagen ziehen?
Hier zählt nur eine Zahl: zGG des Wohnwagens ≤ gebremste Anhängelast des Autos
- Wohnwagen zGG: 1.300 kg
- Auto Anhängelast: 1.400 kg
–> Passt. Das Auto darf diesen Wohnwagen ziehen, zumindest technisch.
Prüfung 2: Passt das für den Führerschein?
Angenommen, es liegt Führerschein Klasse B vor.
- Auto zGG: 2.000 kg
- Wohnwagen zGG: 1.300 kg
➡ Gesamt: 3.300 kg
–> Unter 3.500 kg –> Führerschein B reicht
Ganz wichtig: Hier zählt ausschließlich das zulässige Gesamtgewicht, nicht das tatsächliche Gewicht.
Auch wenn ihr „leicht“ unterwegs seid.
Prüfung 3: Wie viel darf jetzt wirklich zugeladen werden?
Wohnwagen
- Zuladung Wohnwagen: 120 kg
Das klingt erstmal machbar. Realistisch:
- 1 Gasflasche voll ≈ 20 kg
- Markise ≈ 25 kg
- Tisch + Stühle ≈ 30 kg
- Kabel, Keile, Kleinteile ≈ 15 kg
–>90 kg weg
–> Es bleiben 30 kg für Kleidung, Lebensmittel, Geschirr, Bettzeug, alles.
Das ist extrem wenig – aber rechtlich bindend.
Auto
- Zuladung Auto: 400 kg
Davon gehen ab:
- Fahrer + Beifahrer: 150 kg
- Gepäck: 150 kg
- Stützlast Wohnwagen: 75 kg
–> 150 + 150 + 75 = 375 kg
Formal ist das noch erlaubt, aber du hast hier kaum Reserve. Ein dritter Mitfahrer oder Fahrräder und das Auto ist überladen.
Prüfung 4: Stützlast – der unterschätzte Balanceakt
Die Stützlast verbindet alle Bereiche miteinander.
- Stützlast Auto: 75 kg
- Stützlast Wohnwagen: 100 kg
–> erlaubt: 75 kg
Diese 75 kg:
- belasten das Auto (zählen zur Auto-Zuladung)
- entlasten den Wohnwagen minimal,
- stabilisieren das Gespann
Zu wenig Stützlast: Gespann schlingert, unsicher bei Seitenwind
Zu viel Stützlast: Überlastung der Anhängerkupplung, Bußgeld + technischer Mangel
Deshalb ist die Gewichtsverteilung im Wohnwagen entscheidend:
- schwere Dinge tief und nahe der Achse,
- leicht mehr vor der Achse als dahinter,
- niemals alles nach hinten „werfen“.
–> Die entscheidende Erkenntnis: Zuladung ist kein einzelner Wert, sondern ein Zusammenspiel aus:
- Führerschein
- Anhängelast
- zulässiger Gesamtmasse
- Auto-Zuladung
- Stützlast
- Gewichtsverteilung
Du bist nur dann legal unterwegs, wenn alle Grenzen gleichzeitig eingehalten werden.
Kombination Zugfahrzeug + Anhänger minimal zu schwer? Problemlösung: Ablasten!
Ablasten heißt: Die zulässige Gesamtmasse wird offiziell reduziert und beim TÜV eingetragen.
Warum macht man das? Zum Beispiel wenn die Anhängelast des Autos zu gering ist, der Führerschein B sonst nicht reicht oder die Kombination minimal zu schwer ist, z. B. 3.510 kg statt 3.500 kg.
Beispiel:
- Original zGG: 1.500 kg
- Abgelastet auf: 1.300 kg
–> Das Auto darf den Anhänger dann ziehen und der Führerschein B reicht, aber Achtung: Die Zuladung schrumpft massiv. Nach dem Ablasten gilt dann nur noch das neue zGG.
Zuladung einfach erklärt: Mit wie vielen Kilos darf ich das Auto noch beladen?
Auch das Zugfahrzeug hat eine begrenzte Zuladung.
Rechnung:
Zuladung Auto = zGG Auto – Leergewicht Auto
Beispiel:
- Auto zGG: 2.000 kg
- Leergewicht: 1.600 kg
–> Zuladung: 400 kg
Davon gehen ab:
- Fahrer & Mitfahrende
- Gepäck
- Fahrräder auf dem Auto
- Stützlast des Wohnwagens
Beispiel:
- Personen + Gepäck: 300 kg
- Stützlast: 75 kg
–> Schon ist das Auto überladen
Dieses Zubehör musst du dir zusätzlich anschaffen
Einige Dinge sind notwendig:
- Zusatzspiegel für das Auto, wenn der Wohnwagen breiter ist als das Auto
- Unterlegkeile
- CEE-Stromkabel + Adapter
- Stützlastwaage
- Ersatzbirnen, Warndreieck
- Handschuhe (Kupplung!)
Brauche ich einen Mover?
Ja. Oh ja, unbedingt. Wir leben schließlich in Zeiten, in denen man nicht mehr auf nachbarschaftliche Hilfe beim Einparken zählen kann…
Aber zunächst mal für alle, die nicht wissen, was ein Mover ist: Ein Mover ist eine elektrische Rangierhilfe, die den Wohnwagen per Fernbedienung millimetergenau bewegt – vor, zurück, drehen auf der Stelle.
Warum ich ihn für unverzichtbar halte:
- Nicht mehr jeder hilft beim Einparken ;)
- Enge Stellplätze, Gefälle, Stadt
- Allein unterwegs (ich könnte unsere Betsy niemals alleine schieben ;) )
- Schwere oder breite Wohnwagen
Ein Mover ist kein Luxus, sondern:
- Stressreduktion
- Sicherheitsgewinn
- Beziehungsschoner
Und wichtig: Mover lassen sich auch problemlos nachrüsten.
Wohnwagen gegen Diebstahl sichern: über Kupplungsschloss und Radkralle
Die Grundregel lautet: Sicherung wirkt abschreckend und verzögernd, nicht absolut.
Pflicht: Kupplungsschloss
- blockiert das Ankuppeln
- idealerweise auch im abgekuppelten Zustand
- Preis: 30–100 €
Sehr sinnvoll: Radkralle
- extrem sichtbar
- blockiert das Wegrollen
- Preis: 50–150 €
Der Goldstandard: Kupplungsschloss + Radkralle. Dafür haben wir uns auch entschieden.
Optional (Luxus, aber top):
- Achssperre
- GPS-Tracker (Aufklärung, nicht Verhinderung)
Wie viel PS braucht mein Auto wirklich, um den Wohnwagen zu ziehen?
PS sind nicht so entscheidend. Wichtiger sind:
- Drehmoment
- Getriebe
- Gesamtgewicht
Ehrliche Faustwerte:
- ≤ 1.200 kg Wohnwagen: ab 110–120 PS
- 1.300–1.600 kg: 130–160 PS
- Berge / Frankreich / lange Touren: 160–190 PS
Benziner brauchen meist mehr PS als Diesel.
Wohnwagen gebraucht kaufen? Ja, aber mit offenen Augen
Vorteile:
- günstiger
- oft viel Ausstattung
Risiken:
- Feuchtigkeit
- alte Gas- oder Elektrik
- teure Reparaturen
Feuchtigkeitsprüfung ist kein Extra, sondern Pflicht.
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