Präeklampsie und HELLP-Syndrom: meine Erfahrung und Maßnahmen zur Vorbeugung

„Du bist schwanger und nicht krank!“ Dank solcher Weisheiten – und bisweilen auch selbst eingetrichterter Glaubenssätze – schafft man es als Schwangere, über verschiedene Symptome hinwegzusehen und diese gewissermaßen als Begleiterscheinung der Schwangerschaft zu akzeptieren. Doch: Wie viele dieser Symptome sind noch normal? Und in welcher Ausprägung? Da mir diese Fragen in beiden Schwangerschaften im Kopf herumgeisterten und mir keine Ruhe ließen, war ich wachsam genug, einige Symptome ab einem gewissen Punkt ernst zu nehmen und abklären zu lassen.

Ich hatte schließlich eine Präeklampsie mit beginnendem HELLP-Syndrom und möchte dir sowohl von meinen Symptomen berichten, als auch Wege aufzeigen, wie ich in der Folgeschwangerschaft mit dem Risiko, daran erneut zu erkranken, umgegangen bin.

Eine Sache vorneweg: Ich bin keine Ärztin und möchte mich mit medizinischem Rat zurückhalten. Ich berichte hier von meiner eigenen Erfahrung und von meinem Umgang mit diesen Schwangerschaftserkrankungen.

Wie beginnt eine Präeklampsie? Was sind die ersten Anzeichen und Symptome?

Diese Anzeichen zeigten sich bei mir:

Schnelle Gewichtszunahme und Ödeme

Ich legte plötzlich rasant an recht gleichmäßig in meinem Körper verteiltem Gewicht zu. Und da ich noch keinen Vergleich zu anderen Schwangerschaften ziehen konnte, stellte ich mir erst einmal die Frage: Ist das nun Fett, Wasser oder das wachsende Baby?

Ich bemühte mich um eine ausgewogene Ernährung, bewegte mich, so viel ich konnte, und so schloss ich eine so schnelle Gewichtszunahme durch Körperfett weitgehend aus. Zudem war es Sommer und in unserer Dachgeschosswohnung kühlte es nicht mal mehr über Nacht auf eine erträgliche Temperatur ab. Somit dachte ich, dass das Wasser bestimmt durch die Umgebungswärme begünstigt wurde. Es gesellten sich bald auch geschwollene Hände und Füße hinzu.

Der berühmte Drucktest auf Ödeme: Mit diesem soll man herausfinden können, ob es sich um Gewebsflüssigkeit handelt: Nach dem Eindrücken mit dem Finger in die verdickten Areale blieb bei mir zwar keine Delle in der Haut. Dass es sich trotzdem um Ödeme gehandelt haben muss, bestätigte mir aber die Waage einige Tage nach der Entbindung.

Was zunächst half: Ich ließ mir Kompressionsstrumpfe verordnen. Diese halfen, solange ich sie trug. Im Krankenhaus stieg ich um auf Thrombosestrümpfe. Großer Fehler! Das dann eingelagerte Wasser wollte nicht mal mehr über Nacht verschwinden.

Ich fühlte mich langsam, verpeilt, nicht mehr aufnahmefähig und vergesslich

Ich war einfach nicht mehr zu geistigen Höchstleistungen fähig und das bemerkte ich allein schon bei alltäglichen Gesprächen. Sicher mag das ein ganz normales Schwangerschaftssymptom sein, das sich irgendwann auf der Zielgeraden zeigt, aber zu diesem Zeitpunkt fiel mir das eben verstärkt an mir auf.

Sehstörungen: Blitze und Blumentöpfe

Mir wäre das nicht aufgefallen, wenn ich nicht schon alert gewesen wäre. Schließlich kenne ich dieses Blitzesehen schon von normalen bis migräneartigen Kopfschmerzen. Später im Krankenhaus verschlimmerte sich meine Sehstörung noch: Große Bereiche meines Sehfelds blieben längere Zeit in Farbe bestehen.  Gegenstände, die ich zuvor sah, brannten sich ein und „wanderten mit“. So zum Beispiel hatte ich den großen Blumentopf aus dem Wartebereich des Kreißsaals noch am nächsten Morgen vor Augen.

Abendliche Blutdruckspitzen

Um die 20. Schwangerschaftswoche herum begann ich, leicht Wasser einzulagern. Es war bis dahin nicht übermäßig viel, dennoch verordnete mir meine Gynäkologin vorsichtshalber ein Blutdruckmessgerät, mit dem ich morgens und abends meine Werte überprüfen sollte. Die meiste Zeit lag mein Blutdruck in der Norm, aber etwa ab der 34. SSW gesellten sich abendliche Blutdruckspitzen hinzu. Diese verschwanden zwar bei der zweiten oder dritten Messung infolge wieder, trotzdem machte ich mir Sorgen. Das war der Moment, an dem ich schließlich doch mal meine Hebamme um Rat fragte: „Mach dir sofort einen Termin in der Klinik!“

Was passiert mit dem ungeborenen Baby bei einer Präeklampsie?

Bei einer Präeklampsie kann es zu einer Plazentaablösung kommen. In diesem Fall könnte das Baby nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Meine Ärzte haben somit bei jeder Untersuchung die Versorgung über die Plazenta anhand des Blutflusses geprüft. Je nach Situation wird von den behandelnden Ärzten entschieden, was mit dem Kind geschieht, ob es frühzeitig geholt werden muss oder ob Mutter und Kind diesen Zustand noch einige Zeit „aushalten“ können, damit das Baby noch im Mutterbauch gedeihen kann. Für das Kind zählt schließlich jeder Tag, den es im Bauch bleiben darf. Ich selbst habe im Krankenhaus noch ein paar Tage unter strenger Kontrolle abwarten dürfen bis mein Baby nicht mehr als Frühgeburt galt. Anschließend wurde die Geburt eingeleitet.

Wie wird eine Präeklampsie behandelt?

Die Präeklampsie geht einher mit hohem Blutdruck, weshalb auch bei mir blutdrucksenkende Mittel verabreicht wurden. Kommen Übelkeit und/oder Oberbauchschmerzen hinzu, ist das ein möglicher Hinweis für ein HELLP-Syndrom, bei dem sehr schnell gehandelt und das Kind gegebenenfalls gleich geholt werden muss. Die Entbindung ist schließlich die beste Therapie. Nur selten treten eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom noch nach der Entbindung auf. Weiterhin versucht man, Symptome klein zu halten: Gegen Ödeme helfen Kompressionsstrümpfe, gegen Kopfschmerzen Ibuprofen.

Gibt es Medikamente gegen Präeklampsie?

Bislang gibt es nichts, das eine Präeklampsie heilen kann. Nachdem mein Präeklampsie-Risiko von der ersten Schwangerschaft bereits bekannt war, hat mir meine Ärztin in der zweiten Schwangerschaft vorbeugend ASS 100 (und im späteren Verlauf ASS 150) empfohlen. Mittels Studien konnte man nämlich herausfinden, dass die konsequente Einnahme von Acetylsalicylsäure das Präeklampsie-Risiko deutlich senkt (nachzulesen hier im Ärzteblatt), was glücklicherweise auch bei mir der Fall war: In der zweiten Schwangerschaft hatte ich keine Präeklampsie.

Kann ich einer Präeklampsie mit spezieller Ernährung vorbeugen und verhindern, dass ich daran erkranke?

Mit der Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmitteln kannst du deinen Körper unterstützen und einer Präeklampsie und ihren Symptomen zumindest entgegenwirken. Meine Tipps, die ich von den „Gestose-Frauen“ habe:

  • L-Arginin zusätzlich einnehmen: L-Arginin unterstützt die Blutgefäße (ähnlich wie ASS).
  • Eiweiß in der Nahrung erhöhen! Wichtig ist, dass du auch Kohlenhydrate isst. Wenn Kohlenhydrate fehlen, werden stattdessen die wertvollen Eiweiße verbrannt.
  • Salzkonsum tendenziell steigern statt einschränken.
  • Dosen für Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe anpassen: Vitamin D, B-Vitamine inkl. Folsäure, Magnesium uvm.

Der Verein Arbeitsgemeinschaft Gestose-Betroffene kann dir speziellere Informationen liefern und individuelle Auskünfte geben.

Kann ich mich zu Hause auf Präeklampsie testen? Gibt es einen Test?

Eine Präeklampsie kann letztendlich nur beim Arzt bzw. im Krankenhaus anhand mehrerer Untersuchungen festgestellt werden. Wichtige Hinweise liefern der Blutdruck, der Urin und ein Blutbild (Gestose-Labor).

Ich selbst habe zu Hause täglich meinen Blutdruck gemessen, sowie wöchentlich (oder bei Bedarf) meinen Urin auf das Vorhandensein von Eiweiß untersucht. Dafür kann man sich für wenig Geld Teststreifen in der Apotheke besorgen. Da übrigens auch bestimmte bakterielle Infektionen das Risiko einer frühen Geburt in der späten Schwangerschaft erhöhen, kannst du dir auch PH-Teststreifen für die vaginale Anwendung kaufen und wöchentlich oder bei Bedarf anwenden.

Wo kann ich mir Hilfe holen und mich über Präeklampsie informieren? Bei den Gestose-Frauen!

Die Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen e.V. ist „eine Selbsthilfeorganisation für Frauen/ Familien,
die von einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung betroffen sind/ waren“. Hier bekommt man goldwerte Tipps dazu, wie die Schwangere einer Präeklampsie, einer Eklampsie, einer Plazentainsuffizienz oder einem HELLP-Syndrom selbst entgegenwirken kann.

Man erhält sowohl individuelle Auskünfte bei direktem Kontakt oder kann sich Fachliteratur (auch bei Amazon erhältlich) zu diesem Thema bestellen. Es wurden sämtliche Studien analysiert, verständlich zusammengefasst und schlüssig interpretiert: Wesentlich, um einer solchen Erkrankung entgegenzuwirken, ist gemäß der Untersuchungen der Gestose-Frauen die Umstellung der Ernährung: Salz, B-Vitamine, Magnesium, Vitamin D, L-Arginin und einige weitere Nährstoffe werden ab einer bestimmten Schwangerschaftswoche in gewissen Dosen eingenommen.

Es wird – auch für Laien verständlich – erklärt, was die Einnahme im Körper der Schwangeren bewirkt. Auch wenn viele Ärzte diese Arbeitsgemeinschaft und ihre Inhalte nicht kennen, darf man den Aussagen durchaus Glauben schenken: Die Gründerin wurde nicht umsonst für ihre Arbeit mit dem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

In der ersten Schwangerschaft hatte ich eine Präeklampsie. Besteht ein Risiko, daran auch in der zweiten Schwangerschaft zu erkranken?

Die Wochenbett-Zeit nach einer Präeklampsie

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